Historie der Wasserversorgung

Die Glückstädter Wasserversorgung erfolgte bis zum letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts nicht nur - wie allgemein üblich - über die direkte Entnahme von Wasser aus der Elbe, aus Sielen und Gräben, sondern über die "Wasserkunst", ein raffiniert angelegtes System, das Ebbe und Flut ausnutzte.

1703

Über ein Wehr bei der "Dogge" (ehemaliges Gelände der Firma Gehlsen), das bei Flut geöffnet wurde, floss das Elbwasser in die heutigen Festungsgräben. Als Wasserreserve-Becken diente das Batardeau. Von dort aus floss das Wasser in einen 1703 unter dem Marktplatz angelegten Tiefbrunnen. Äußeres Zeichen dieser Anlage war auf dem Markt ein Brunnenhaus.

1810

Der letzte Bau des Brunnenhauses auf dem Marktplatz. Andere öffentliche Wasserstellen befanden sich z.B. auf dem Jungfernstieg und am Kirchplatz. Von diesen Pumpstationen trugen berufsmäßige Wasserträger die Eimer in die Haushalte.

1816

Eine Elbwasserleitung wurde angelegt, trotzdem schärfte sich schon bald das Wissen über sanitäre Missstände, die sich mit dem Wasser ergaben. Undichte Röhren und das Eindringen schmutzigen Sielwassers wurden als Grund für Typhus und gastritische Erkrankungen erkannt.

1837

Man machte Experimente mit Klärbassins und Filtereinrichtungen und versuchte nach  brauchbarem Trinkwasser zu bohren. Aber obwohl man in eine Tiefe von 150 m vorgedrungen sein soll, blieb die Suche ergebnislos.

1840


Marktplatz um 1840


das Brunnenhaus auf dem Marktplatz

1868

Auch der  von den Gebrüdern Minck vorgelegte Plan, Wasser durch Rohre in die einzelnen Haushalte zu leiten, wurde nicht umgesetzt.

1869

Nach dem Abriss des Brunnenhauses auf dem Markt wurde an dieser Stelle der Kandelaber errichtet - das Wahrzeichen im Zentrum unserer Stadt.
Für die Stadtentwässerung nutzte man dann die Ebbe. Das Schmutzwasser wurde über den Kommandantengraben, Fleth und Rhin in die Elbe abgeleitet.

1890

Es standen der Stadt durch die Verstaatlichung der Marschbahn durch den preußischen Staat, der die bisherigen Aktionäre großzügig entschädigte, die Mittel für den Aufbau einer zentralen Wasserversorgung zur Verfügung.
Es wurde ein Elbwasserwerk an der Ecke Kommandantengraben / Neuendeich errichtet. Elbwasser wurde bei Flut den so genannten "Weißen Kuhlen" zugeführt.
Nach dem Weg durch 2 Kiesfilterbecken - heute befinden sich dort die Schwimmbecken des Fortuna Bades - wurde es in den 20 m über NN  liegenden Wasserturm gepumpt.

1891

Am Weihnachtsabend floss dann das erste Mal filtriertes Elbwasser in die Glückstädter Haushalte.

20er

Die Verschmutzung der Elbe und das weitere Vordringen von Salzwasser mit der Flut brachten in hygienischer Sicht unerträgliche Zustände in der Wasserversorgung mit sich. Deshalb befasste  man sich mit dem Bau eines Grundwasserwerkes, konnte es sich aber finanziell nicht leisten.

1936

45 Jahre mussten die Glückstädter bis zur Betriebsaufnahme des ca. 14 km entfernten Wasserwerkes Krempermoor 1936 mit der filtrierten Elbwasser-Lösung leben. Die Entscheidung für den Erwerb des dortigen 16  Hektar großen Geländes und der "Wasser-Schürfrechte" fiel im Zusammenhang mit dem Bau der Glückstädter Marinekaserne. Die Qualität des Wassers, das bis zur Inbetriebnahme des Wasserwerks aus der Elbe kam, war den Soldaten nicht gut genug.
Die Aufgabe des Aufbaus einer zentralen Wasserversorgung wurde übrigens einer neu gebildeten Dienststelle übertragen - sie ist die Vorläuferin der heutigen Stadtwerke! Das Wasser aus Kremperheide ist deshalb so gut, weil es vom Geestrand herunterläuft, teils durch den Marsch- und durch den Moorbereich fließt und dann als Grundwasser durch Sandschichten rieselt und so hygienisch einwandfrei bleibt.


Filteranlage, des Wasserwerks Krempermoor

Gefördert werden täglich ca. 5.000 m3 aus 40 bis 60 Meter tiefen Brunnen. Nach der Aufbereitung und Analyse ("Wasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel") wird es über die von den Stadtwerken betriebenen Fernleitungen in die Tiefbehälter Burggraben und Am Keil geleitet. Von hieraus erfolgt heute die Versorgung des Glückstädter Stadtgebietes sowie Kremperheide und Borsfleth.

1960


Zwei Epochen der Glückstädter Wasserversorgung: der 1890 erbaute Wassertrum un der Zugang zum 1960 erbauten Tiefspeicher.

1965

Der Wasserturm wurde aus technischen Gründen außer Betrieb genommen, da die Höhe des Behälters einwandfreie Druckverhältnisse im Leitungsnetz nicht mehr zuließen und das Fassungsvermögen von 400 Kubikmetern nicht mehr ausreichte. Es erfolgte die vollständige Umstellung des Betriebes auf den 1960 mit einem Fassungsvermögen von 1000 cbm erbauten Tiefspeicher an der Bohnstraße. Von hier aus wird das Wasser mittels einer Druckerhöhungsanlage in das Rohrnetz gepumpt.

2002

Es wurden insgesamt 1,6 Millionen cbm Wasser an die privaten Haushalte sowie an Industrie und Gewerbe geliefert. Die Kapazität des Wasserwerkes und der Versorgungsleitungen reicht aber aus, um auch einen steigenden Bedarf abzudecken.